🎄 Feste feiern, ohne dich zu verlieren – Grenzen setzen in Familie & Freundeskreis

Die Feiertage rücken näher – und mit ihnen oft ein ganz eigener Mix aus Vorfreude, Pflichtgefühl, Emotionen und Stress.

Vielleicht kennst du Gedanken wie:

  • „Eigentlich hätte ich gern ein ruhigeres Fest, aber alle erwarten…“
  • „Ich bin sowieso schon müde – und dann kommen noch Essen, Besuche, Streitsthemen.“
  • „Ich würde gern mal etwas anders machen, aber das geht bestimmt nicht.“

Gerade in den Wechseljahren kann die Festzeit besonders intensiv sein:

  • Dein Körper ist schneller erschöpft.
  • Deine Nerven liegen dünner.
  • Alte Themen werden sichtbarer.
  • Du spürst klarer, was dir guttut – und was nicht.

Dieser Beitrag ist eine Einladung, Feste zu feiern, ohne dich selbst zu übergehen.
Mit klareren Grenzen. Mit mehr Bewusstsein. Und mit etwas mehr Frieden – vor allem mit dir.


Warum Feste in der Lebensmitte so anstrengend sein können

Da sind einerseits die äußeren Dinge:

  • Planen, Einkaufen, Kochen
  • Familienbesuche, lange Fahrten
  • Erwartungen von Eltern, Schwiegereltern, erwachsenen Kindern
  • „Wir haben das doch immer so gemacht…“

Und dann deine innere Lage:

  • du bist vielleicht hormonell ohnehin im Auf und Ab
  • Schlaf ist nicht optimal, Energie schwankt
  • dein Körper braucht mehr Pausen
  • du bist sensibler für Spannungen und Ungerechtigkeiten

Dazu kommen alte Rollen:

  • die Organisatorin
  • die, die den Frieden hält
  • die, die „sich zusammenreißt“, damit die Stimmung nicht kippt

Kein Wunder, dass du das Gefühl haben kannst, du gehst im ganzen Festtrubel unter.

Grenzen setzen bedeutet hier nicht: „Ich feiere gar nicht mehr.“
Es bedeutet: Ich feiere – aber nicht auf Kosten von Gesundheit, Nerven und Selbstachtung.


Schritt 1: Erwartungs-Check – was willst du eigentlich?

Bevor du von Termin zu Termin rennst, lohnt sich ein Moment ehrlicher Blick:

Nimm dir ein Blatt Papier und teile es in zwei Spalten:

  • links: „Was wird von mir erwartet (oder glaube ich zumindest)?“
  • rechts: „Was wünsche ich mir eigentlich?“

Links kommen Dinge hin wie:

  • alle bekochen
  • alle Termine wahrnehmen
  • immer gut gelaunt sein
  • niemanden enttäuschen
  • auf keinen Fall Grenzen setzen

Rechts dürfen Sätze stehen wie:

  • mehr Ruhe
  • kürzere Besuche
  • weniger Alkohol
  • zwischendurch allein spazieren gehen
  • weniger Drama, mehr Echtheit
  • einen Nachmittag nur für mich

Schon diese Gegenüberstellung zeigt dir:

Wo lebe ich gerade für andere – und wo für mich?

Du musst nicht alles sofort ändern.
Aber du darfst sehen, wo du dich selbst bisher gar nicht vorkommen lässt.


Schritt 2: „Good-Enough-Weihnachten“ statt Perfektionsfest

Perfektion frisst Energie – und macht selten wirklich glücklich.

Frag dich:

  • Muss wirklich alles selbstgekocht sein?
  • Muss die Wohnung aussehen wie aus dem Magazin?
  • Muss jede Tradition genauso laufen wie vor 20 Jahren?
  • Muss jede*r alles bekommen, was er oder sie will?

Du darfst eine neue Kategorie einführen:

„Gut genug für dieses Jahr – und gut für mich.“

Konkrete Ideen:

  • Tiefkühl-Gemüse oder fertige Komponenten nutzen, statt alles frisch zu zaubern
  • ein kleineres, einfacheres Menü – dafür mehr Zeit für Gespräche und Pausen
  • eine Mahlzeit auswärts oder als Catering bestellen
  • Geschenke-Aktion vereinfachen (Wichteln, nur eine Kleinigkeit, nur für Kinder)

Feste werden nicht schön, weil alles perfekt ist.
Sie werden schön, wenn du innerlich halbwegs bei dir bleiben kannst.


Schritt 3: Deine „Ja“ und „Nein“ – Liste

Grenzen setzen bedeutet nicht, alles abzulehnen.
Es bedeutet, bewusster zu wählen, wo dein „Ja“ wirklich hingehört.

Übung: Drei bewusste Ja, drei bewusste Nein

Schreib auf:

Meine bewussten Ja für dieses Jahr:

  • Ja zu … (z. B. ein bestimmtes Treffen, eine Tradition, ein Spaziergang mit einer Person, die dir guttut)
  • Ja zu …
  • Ja zu …

Meine bewussten Nein für dieses Jahr:

  • Nein zu … (z. B. drei Stunden Kaffeeklatsch mit jemandem, der dich auslaugt)
  • Nein zu … (z. B. „noch schnell“ die komplette Organisation allein übernehmen)
  • Nein zu … (z. B. der fünften Verabredung in drei Tagen)

Wenn ein klares Nein schwierig ist, kannst du mit abgemilderten Nein-Formen arbeiten:

  • „Ich komme gern, aber nur für zwei Stunden.“
  • „Dieses Jahr schaffe ich das nicht, wir können es gerne anders lösen.“
  • „Ich kann das nicht alleine übernehmen, wir müssten die Aufgaben aufteilen.“

Dein Körper wird es dir danken.


Schritt 4: Grenzen kommunizieren – freundlich, klar, ohne Romane

Viele Frauen haben gelernt:
Grenzen = Egoismus.
Und machen deshalb lieber weiter, als „unangenehm“ zu werden.

In Wahrheit sind klare, freundliche Grenzen eine Einladung zu ehrlichem Miteinander.

Du musst dich dabei nicht rechtfertigen, als würdest du vor Gericht stehen.
Kurze, klare Sätze reichen.

Beispiele:

  • „Ich freue mich, euch zu sehen – aber ich merke, dass mir ein ganzer Tag zu viel ist. Ich komme gern für den Nachmittag.“
  • „Dieses Jahr brauche ich etwas mehr Ruhe. Wir kommen, bleiben aber nicht bis spät abends.“
  • „Ich kann das Essen gern vorbereiten, aber ich möchte, dass wir den Abwasch und die Vorbereitung aufteilen.“
  • „Ich weiß, ihr seid anderes gewohnt – aber dieses Jahr machen wir es in kleinerer Runde.“

Wichtig:

  • Du darfst „Ich“ sagen, statt „man“.
  • Du musst dein Bedürfnis nicht mit fünf medizinischen Gutachten belegen.
  • Andere dürfen überrascht oder kurz beleidigt sein – das heißt nicht, dass du etwas Falsches tust.

Schritt 5: Umgang mit Drama & alten Mustern

Feste haben ihre eigenen „Drehbücher“.
Vielleicht kennst du:

  • wiederkehrende Konflikte
  • bestimmte Themen, bei denen es immer knallt
  • Rollen, in die alle wie automatisch fallen

Du kannst das nicht vollständig ändern – aber du kannst anders damit umgehen.

1. Deine Trigger kennen

Frag dich im Vorfeld:

  • Was bringt mich erfahrungsgemäß auf die Palme / zum Weinen / in die Erstarrung?
  • Welche Sätze oder Situationen treffen mich besonders?

Allein dieses Bewusstsein hilft, nicht völlig überrascht zu sein.

2. Ein inneres „Stopp“-Signal

Wenn du merkst, dass du innerlich hochfährst:

  • einmal tief einatmen, langsam ausatmen
  • innerlich „Stopp“ oder „Pause“ sagen
  • wenn möglich, kurz den Raum verlassen (Toilette, Balkon, Küche, frische Luft)

Das ist kein Weglaufen – es ist Selbstschutz, bevor du Dinge sagst oder tust, die du später bereust.

3. Notfall-Sätze für schwierige Situationen

Du kannst dir im Vorfeld 1–2 Sätze zurechtlegen, z. B.:

  • „Darüber möchte ich heute nicht sprechen.“
  • „Lass uns das ein anderes Mal in Ruhe klären.“
  • „Ich merke, dass mich das gerade sehr stresst, ich brauche eine kurze Pause.“

Das wirkt oft „kleiner“, als dein inneres Drama es ankündigt – aber es kann die Situation komplett drehen.


Schritt 6: Kleine Oasen inmitten der Festtage

Grenzen sind nicht nur „Nein“ nach außen.
Sie sind auch Ja zu dir.

Überleg dir:

  • Welches kleine Ritual kann ich mir an jedem Feiertag gönnen, nur für mich?
    • 15 Minuten Spaziergang allein
    • eine Tasse Kaffee oder Tee in Stille
    • ein paar Seiten lesen
    • 10 Minuten Dehnen oder Atmen im Schlafzimmer
  • Gibt es jemanden, mit dem ich mich kurz austauschen kann (Freundin, Partner*in), um nicht alles in mir zu stauen?

Trag diese Oasen ruhig bewusst ein – so wie alle anderen Termine.
Du bist nicht das „Pausenprogramm“, das man streichen kann, wenn es hektisch wird.
Du bist die Person, ohne die der ganze Laden überhaupt nicht läuft.


Wenn andere deine Grenzen nicht mögen

Es kann passieren, dass jemand beleidigt, irritiert oder vorwurfsvoll reagiert, wenn du Dinge anders machst.

Das heißt NICHT:

  • dass du falsch liegst
  • dass du sofort zurückrudern musst
  • dass du dich rechtfertigen musst, bis alle zufrieden sind

Es heißt oft nur:

  • dass andere dich anders gewohnt sind
  • dass dein neues Verhalten sie dazu zwingt, ebenfalls etwas zu verändern
  • dass Gewohnheiten sich unwohl fühlen, wenn sie hinterfragt werden

Du kannst innerlich sagen:

„Sie dürfen das blöd finden.
Und ich darf trotzdem gut für mich sorgen.“

Grenzen werden nicht gesetzt, um geliebt zu werden.
Grenzen werden gesetzt, weil du DICH nicht mehr verlassen willst.


Du darfst Feste so gestalten, wie es deiner Lebensphase entspricht

Wechseljahre sind nicht nur eine hormonelle Phase.
Sie sind oft auch der Moment, in dem viele Frauen merken:

  • Ich will nicht mehr alles so machen „wie immer“.
  • Ich will nicht mehr nur Rolle sein – ich will Mensch sein.
  • Ich wünsche mir Feste, in denen auch ich vorkomme.

Du musst nicht von heute auf morgen alles verändern.
Aber vielleicht ist dieses Jahr der Moment, eine Sache anders zu machen:

  • ein klarer Satz
  • ein abgesagter Termin
  • ein vereinfachtes Essen
  • eine eingeführte Pause
  • eine neue Tradition, die dir guttut

Das ist kein Egoismus.
Das ist erwachsene Selbstfürsorge.


Wenn du dir Unterstützung dabei wünschst

Vielleicht merkst du beim Lesen:

  • Dieses Thema triggert dich sehr.
  • Du bist seit Jahren im „Ich mach das alles schon“-Modus.
  • Du weißt eigentlich, was du brauchst – traust dich aber nicht, es zu leben.

In meinem Coachingprogramm für Frauen in den Wechseljahren schauen wir genau auf solche Fragen:

  • Welche Rollen lebst du – und welche davon tun dir gut?
  • Wo darfst du Grenzen setzen, ohne dich schuldig zu fühlen?
  • Wie kannst du in Beziehungen klarer und echter werden – auf eine Weise, die dich stärkt?

Du musst diesen Weg nicht allein gehen.
Gerade in dieser Lebensphase ist es so wertvoll, jemanden an deiner Seite zu haben, der dich versteht und dir hilft, neue, liebevollere Wege zu finden.

Im nächsten Beitrag dieser Serie wenden wir den Blick ganz nach innen:
Es geht um Weihnachten in der Lebensmitte – und einen liebevollen Brief an dich selbst.



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